Einleitung
Die digitalen Datenbestände
Analog vorliegende Daten
Resümee
Für die zügige Durchführung einer Biotopkartierung im Gelände ist eine gründliche Vorbereitung der Geländearbeit und eine Vorauswahl der aufzusuchenden Teilräume (Suchräume, Verdachtsflächen) zur Minimierung der Zeit-, Personal- und Kostenintensität unerläßlich. Der herkömmliche analoge Ablauf einer Biotopkartierung wird durch den Einsatz des Programmsystems GISPAD der Conterra GmbH (Münster) teildigitalisiert, indem die Datenerfassung bereits im Gelände digital auf dem Bildschirm eines PEN-Computers (Notepad) erfolgt. Erstmals wurde diese Methode bei der Kartierung geschützter Biotope nach § 62 LG NRW 1995 von der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten (LÖBF/LafAO) genutzt.Der vorliegende Artikel stellt die grundlegenden Inhalte der gleichnamigen Diplomarbeit am Institut für Geographie in Münster vor. Darin wird mit der Entwicklung einer Methodik zur Vorauswahl von Suchräumen auf der Basis ausgewählter Datengrundlagen ein weiterer Schritt in die Richtung der Digitalisierung einzelner Arbeitsabschnitte der Biotopkartierung gegangen.
Anhand von zwei Untersuchungsgebieten im Mittelgebirge (Flurbereinigungs-Verfahren Olpe) und am Niederrhein (Flurbereinigungs-Verfahren Sonsbeck) sollen die Zusammenhänge zwischen dem Auftreten geschützter Biotope und dem Informationsgehalt ausgewählter digitaler Daten aufgezeigt werden. Mit den daraus resultierenden Kenntnissen ist eine Minimierung der Suchraumgröße bei gleichzeitiger Optimierung des Auffindens geschützter Biotope möglich. Der Begriff Suchraum wird dabei definiert als ein möglichst kleinflächiges Teilgebiet eines Raumes, in dem aufgrund nachvollziehbarer Basisdatenauswertung das Vorkommen eines gesuchten Biotops wesentlich wahrscheinlicher ist als in benachbarten Gebieten. Zur Zeit- und Kostenersparnis wird vorwiegend bzw. ausschließlich in diesem Teilgebiet eine Ortsbegehung zur Kartierung vorgenommen.
Als digitale Datenbestände liegen für die Untersuchungsgebiete das Kataster schutzwürdiger Biotope der LÖBF/LAfAO NRW, die Bodenkarte 1: 50 000 des Geologischen Landesamtes NRW, Landsat TM Szenen der LÖBF/LAfAO und ATKIS-Datenbestände des Landesvermessungsamtes NRW vor.
Die Auswertung der digitalen Basisdaten beinhaltet zwei Punkte: Zunächst muß geklärt werden, welcher Zusammenhang zwischen den Informationen der jeweiligen Datengrundlage und dem Auftreten geschützter Biotope besteht. Mit diesem Hintergrundwissen wird mit den Grundlagendaten der potentielle Suchraum für geschützte Biotoptypen in den Testgebieten erarbeitet.
Das weitere Vorgehen bezieht sich auf die vorliegenden Kartierungsdaten nach § 62 LG NRW in den Untersuchungsgebieten im Sauerland und am Niederrhein. Für jeden kartierten Biotop wird ermittelt, ob er sich im Suchraum der jeweiligen Datengrundlage befindet. Ist dies der Fall, so wird es als Übereinstimmung gewertet, d.h. die Kartierung auf der Suchraumfläche hätte zum Auffinden des geschützten Biotops geführt. Aus diesen Ergebnissen können Rückschlüsse auf die Zweckmäßigkeit und Effektivität der Grundlagendaten für die Erarbeitung von Suchräumen gezogen und Aussagen über das potentielle Auftreten von geschützten Biotoptypen abgeleitet werden.
Für die Bearbeitung und Darstellung der genutzten Datenbestände werden die Softwaresysteme GISPAD, ArcView und IDRISI benötigt. Sie basieren auf der Technologie der Geoinformationssysteme.
Mit der Kartierung geschützter Biotope nach § 62 LG NRW wurde in der Vegetationsperiode 1995 begonnen. Ein Teil der ersten Daten, die von dem Planungsbüro LÖKPLAN Cordes & Kirst GbR, ansässig in Anröchte (Westfalen), mit dem Programmsystem GISPAD im Auftrag der LÖBF/LAfAO erhoben wurden, stehen für die Auswertung zur Verfügung. Sie beinhalten das ‘Verfahren Olpe’ im Sauerland (Mittelgebirge) und das ‘Verfahren Sonsbeck’ am Niederrhein (Tiefland). Um beide in Nordrhein-Westfalen vorherrschenden naturräumlichen Einheiten zu berücksichtigen, wurde jeweils ein Beispiel aus diesen Landschaften gewählt. Beide Verfahren decken zusammen ein Gebiet von 58 Deutschen Grundkarten 1: 5000 ab.
Die Kartiergebiete werden als ‘Verfahren’
bezeichnet, da es sich um die Flächen der Flurbereinigungs-Verfahren
(FB-Verfahren) der Ämter für Agrarordnung NRW handelt. Jedes
Verfahren deckt eine vorgegebene Anzahl an Deutschen Grundkarten 1: 5000
ab.
Ausgehend von den §§ 1 (1) des BNatSchG und des LG NRW ist die systematische, flächendeckende Kartierung der schutzwürdigen Biotope eine gesetzliche Aufgabe der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten/Landesamt für Agrarordnung (LÖBF/LAfAO) und ein wichtiger Auftrag des Naturschutzes. Diese Aufgabe wird mit dem Aufbau des Katasters der schutzwürdigen Biotope (Biotopkataster NRW, BK) erfüllt. Auf dieser Grundlage ist es möglich, sich einen Überblick über die Qualität und Quantität der schutzwürdigen Biotope zu verschaffen (Brocksieper 1985).
Das Biotopkataster liegt für ganz Nordrhein-Westfalen analog und digital in Form textlicher Beschreibung (Katasterblätter) und zeichnerischer Darstellung (Abgrenzungen im Maßstab 1: 25000) vor. Insgesamt wurden seit der Vegetationsperiode 1981 in Nordrhein-Westfalen 23.000 Objekte erfaßt, wobei die Grafikdaten eine Kapazität von 160 MB und die Sachdaten von 260 MB haben. (BACKWINKEL et al 1995, BROCKSIEPER 1985, HINTERLANG 1996, SCHMIDT 1985).
Befindet sich auf der Fläche eines schutzwürdigen Biotops ein § 20 c-Biotoptyp, so wird dies im Erhebungsbogen# in den Rubriken ‘SCHUTZ’, ‘BIOTOPTYP’ und ‘OBJEKTBESCHREIBUNG’ dokumentiert. Die Rubrik SCHUTZ erhält den zusätzlichen Schlüsselbegriff ‘Biotoptypen nach Paragraph 20c BNatSchG’. In der Rubrik BIOTOPTYP wird dem Biotoptypenkürzel NRW des als § 20 c eingestuften Biotoptyps der Kleinbuchstabe ‘y’ vorangestellt. In der Rubrik OBJEKTBESCHREIBUNG wird an den üblichen Text der Passus ‘Im Gebiet kommen folgende Paragraph 20 c-Biotoptypen vor:’ angeschlossen.
Mit der Nutzung dieser expliziten oder
"versteckten" Hinweise auf § 62-Biotope im Biotopkataster ist es möglich,
im Vorfeld der Kartierung ca. 25 % der geschützten Biotope aufzufinden.
Zur Automatisierung des Vorgangs ist mit einem Text-Retrieval-System eine
gezielte Abfrage nach frei wählbaren Stichwörtern denkbar.
Bei der Nutzung der Bodenkarte wird davon ausgegangen, daß die Beschaffenheit und Ausprägung des Bodens an einem Standort einen entscheidenden Einfluß auf das dortige potentielle Auftreten eines bestimmten Biotoptyps ausübt. Um diesen Zusammenhang zwischen Bodeneinheit und Biotoptyp zu klären, wird auf der Grundlage verschiedener Literaturangaben erarbeitet, auf welchen Bodeneinheiten geschützte Biotoptypen auftreten können, d.h. für welche Biotoptypen bestimmte Bodeneinheiten typisch und charakteristisch sind.
Tab. 1 faßt die Ergebnisse der Auswertung
zusammen. Dargestellt werden der geschützte Biotoptyp, die für
ihn typischen Bodeneinheiten, die entsprechenden digitalen Codes für
Bodentyp und -art sowie Grundwasserverhältnisse. Zur Erläuterung
der digitalen Codes siehe Tab. 2 und Tab. 3.
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| Bodentyp | Bodenart-gruppe |
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| Fließgewässer | Auenboden, Gley |
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| Stillgewässer | Gley, Moor |
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| Moor | Anmoor-Gley, Moor |
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| Sümpfe und Riede | Pseudogley, Stagnogley, Auenboden, Gley, Anmoor-Gley, Moor |
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| Röhrichte | Pseudogley, Stagnogley, Auenboden, Gley, Anmoor- Gley, Moor |
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| Naß- und Feuchtgrünland | Pseudogley, Stagnogley, Auenboden, Gley, Anmoor-Gley, Moor |
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| Quellbereiche |
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| Binnendünen | Lockersyrosem, Regosol, Locker- und Flugsande |
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| Felsbildungen ... |
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| Zwergstrauch-, Ginster- und Wacholderheiden | Podsol, Gley-Podsol, Pseudogley, Stagnogley, Anmoor-Gley, Moor, sandige Standorte |
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| Borstgrasrasen | Podsol, Gley-Podsol, Pseudogley, Stagnogley, Anmoor-Gley, Moor |
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| Magerwiesen- und Weiden |
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| Trocken- und Halbtrockenrasen | Syrosem, Lockersyrosem, Ranker, Rendzina, Pararendzina, Regosol, Podsol-Ranker, Pelosol |
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| Nat. Schwermetallfluren |
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| Binnensalzstellen |
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| Wälder und Gebüsche trockenwarmer Standorte | Syrosem, Lockersyrosem, Ranker, Regosol, Rendzina, Pararendzina |
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| Bruch- und Sumpfwälder | Moor, Gley, Pseudogley, Auenboden, Anmoor-Gley, Gley-Podsol |
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| Auwälder | Auenboden, Gley, Pseudogley, Stagnogley |
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| Schluchtwälder, Block- und Hangschuttwälder | Syrosem, Lockersyrosem, Ranker, Regosol, Rendzina, Pararendzina, (Hang-)Gley, Pseudogley, Stagnogley |
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| (H steht für Hh, Hn, Hu) | T: Tiefland | |||
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| Rohboden (Syrosem, |
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| Lockersyrosem) | Regosol- |
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| Ranker |
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Ranker- |
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| Regosol |
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Rendzina- |
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| Rendzina, Pararendzina |
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Podsol- |
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| Pelosol |
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Pseudogley- |
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| Podsol |
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Gley- |
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| Pseudogley |
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Auen- |
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| Stagnogley |
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Anmoor- |
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| Auenboden |
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| Gley |
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| Hochmoor |
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| Niedermoor |
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| Übergangsmoor |
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4 - 8 dm |
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(verändert
nach GLA NRW 1997)
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Ton, lehmiger oder sandiger Ton |
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toniger, schluffig-toniger oder sandig-toniger Lehm |
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schluffiger Lehm, lehmiger oder sandig-lehmiger Schluff |
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sandiger Lehm |
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stark sandiger Lehm, stark lehmiger oder toniger Sand |
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Schluff, sandiger Schluff, schluffiger Sand, schluffig lehmiger Sand |
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lehmiger Sand, schwach lehmiger, schwach schluffiger oder schwach toniger Sand |
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Sand (Feinstsand, Feinsand, Mittelsand, Grobsand) |
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(verändert
nach GLA NRW 1997)
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Die Ergebnisse zeigen, daß sich geschützte Biotoptypen tendenziell auf Bodeneinheiten mit extremen Eigenschaften befinden. Auffällig viele Biotoptypen treten auf feuchten bis nassen Bodentypen auf, während einige Biotoptypen trockene und warme Lagen besiedeln. Weitere Extremstandorte sind saure oder flachgründige Böden. Die Resultate der Literaturauswertung bestätigen die Vermutung, daß die Eigenschaften und Ausprägung der Bodeneinheit an einem Standort maßgeblich für das potentielle Auftreten eines geschützten Biotoptyps an dieser Stelle sind.
Ein Vergleich der Ergebnisse und der vorliegenden Kartierungsdaten geschützter Biotope der Verfahren Olpe und Sonsbeck soll die Aussagekraft der Auswertungsergebnisse überprüfen und die Entscheidungsgrundlage für die Nutzung der Bodendaten zur Suchraumermittlung sein.
Für beide Untersuchungsgebiete gilt: Entsprechen sich Biotoptyp und Bodeneinheit im Sinne der Literaturauswertung, so wird dies als Übereinstimmung gewertet.
Beide Testgebiete zusammen zeigen ca. 70 % aller kartierten geschützten Biotope auf einer jeweils typischen Bodeneinheit.
Für die digitale Suchraumdarstellung in einem Kartiergebiet werden die Bodeneinheiten nach den Eigenschaften eingeteilt, die gleichzeitig die Ansprüche der geschützten Biotope wiederspiegeln. Dies wären die Kategorien feucht/nasse, saure und flachgründige Bodeneinheiten. Durch diese Gliederung werden alle für § 62-Biotoptypen ermittelten charakteristischen Bodeneinheiten dargestellt und gleichzeitig kann ein Rückschluß darauf gezogen werden, welche geschützten Biotope sich dort potentiell befinden.
Eine Übersicht über die Kategorien
und die entsprechenden Bodentypen, -arten und Grundwasserverhältnisse
gibt Tab. 4.
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| feuchte/nasse Bodeneinheiten | Gley (G), Auenboden (A), Moor (H), Moor-Gley (hG), Anmoor-Gley (hG), Pseudogley (S), Stagnogley (SS), Gley-Podsol (gP) |
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| saure Bodeneinheiten | Podsol (P), Gley-Podsol (gP) |
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| flachgründige Bodeneinheiten | Syrosem (F), Lockersyrosem (L), Ranker (N), Regosol (Q), Rendzina (R), Podsol-Ranker (pN), Pararendzina (Z), Pelosol (D) | |||
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M: Mittelgebirge
/ T: Tiefland
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Bei der Nutzung von Satellitendaten können aktuelle Informationen über die Landnutzung in den abgebildeten Räumen eingeholt werden. Für die Kartierungen nach § 62 erwies sich die räumliche und thematische Auflösung der vorliegenden Landsat-TM-Daten bei genauerer Auswertung als zu grob, sowie deren Lagegenauigkeit für diesen Zweck als unzureichend. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß sich die vorliegenden Landsat-Daten für eine Suchraumerarbeitung im großen Maßstab der Kartierung geschützter Biotope (1: 5000) nicht eignen. Das Anwendungsfeld der Satellitendaten ist in der Darstellung von mittel- bis kleinmaßstäbigen Übersichten zur Landnutzung zu sehen.
Der Grund für die Nutzung der ATKIS-Daten ist ihr hoher Informationsgehalt auf der Basis der topographischen Kartenwerke und die Möglichkeit der digitalen Verarbeitung.
Für die Auswertung der vorliegenden ATKIS-Daten des DLM 25/1 werden die im Bezug auf geschützte Biotope relevante Objektarten genutzt. Aus den Objektbereichen ‘Vegetation’ und ‘Gewässer’ des ATKIS-Objektartenkatalogs werden die Objektgruppen ‘Vegetationsflächen’ und ‘Wasserflächen’ mit den Objektarten ‘Brachland’, ‘Gehölz’, ‘Grünland’, ‘Heide’, ‘Moor, Moos’, ‘Sumpf, nasser Boden’, ‘Wald, Forst’ sowie ‘Strom, Fluß, Bach’, ‘Binnensee, Stausee, Teich’ und ‘Quelle’ ausgewählt (siehe Tab. 5).
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Tab. 5: Hierarchische Gliederung des ATKIS-OK (Ausschnitt)
Bei der Auswertung der ATKIS-Daten werden die Objektarten in drei Gruppen eingeteilt. Zur ersten Gruppe zählt die Objektart ‘Quelle’, zur zweiten die Objektart ‘Strom, Fluß, Bach’ und zur dritten die Objektarten der Objektgruppe ‘Vegetationsflächen’ sowie die Objektart ‘Binnensee’. Jede dieser Gruppen wird gesondert mit den kartierten geschützten Biotopen verglichen.Analog vorliegende DatenFür das Verfahrensgebiet Sonsbeck ist eine Auswertung der ersten beiden Gruppen nicht möglich. Einerseits wurden in diesem Gebiet keine ATKIS-Quellen digitalisiert, obwohl sich dort ein geschützter Quellbiotop befindet. Dies deutet auf eine unvollständige Erfassung der Objekte ‘Quelle’ hin. Andererseits treten keine geschützten Fließgewässerbiotope im Verfahrensgebiet Sonsbeck auf.#
Für das Verfahrensgebiet Olpe mit dem Vergleich der Objektart ‘Quelle’ und der kartierten Quellbereiche nach § 62 LG ergibt sich eine Übereinstimmung von 35 %. Im Verhältnis zu den anderen genutzten Grundlagendaten ist dies als ein eher geringer Wert anzusehen. Für eine Erklärung muß folgender Sachverhalt berücksichtigt werden: Auf der DGK 5 werden kleinflächige nasse Stellen als ‘nasser Boden’ mit kurzen versetzten Querstrichen gekennzeichnet. An diesen Stellen, die häufig an den Ursprüngen von Fließgewässern auftreten, sind auffallend viele § 62-Quellbiotope, und zwar rund 54 % der Gesamtzahl geschützter Quellbiotope, zu finden. Wie oben erwähnt, werden die Objekte der Objektart ‘Quelle’ vollzählig erfaßt, wenn sie Ursprung eines Objekts der Objektart ‘Strom, Fluß, Bach’ sind. Als Quelle werden dabei jedoch offensichtlich nur Bereiche mit der Abkürzung ‘Qu.’ auf der DGK 5 gewertet.
Der Vergleich der kartierten § 62-Fließgewässer-Biotope mit dem Auftreten von ATKIS-Fließgewässer an der gleichen Stelle im Verfahrensgebiet Olpe ergibt eine relative Häufigkeit der Übereinstimmung von 76 %.
Für rund 76 % der geschützten Biotope mit Bezug zur Landnutzung (Objektarten der Objektgruppe ‘Vegetationsflächen’) sowie die Objektart ‘Binnensee’ kann die Aussage gemacht werden, daß sie sich auf einem Objekt der entsprechenden Objektart befinden.
Neben der Übereinstimmung spielt auch die Größe einer potentiellen Suchraumfläche eine Rolle. Die Objektart ‘Wald, Forst’ nimmt zehn Prozent der Fläche in beiden Verfahrensgebieten zusammen ein, auf dieser Fläche befinden sich aber nur elf entsprechende geschützte Biotoptypen, das ist ein Anteil an der Gesamtzahl der geschützten Biotope von nur 3 %.
Aus der Auswertung der ATKIS-Daten läßt sich folgendes Resümee ziehen: Empfehlenswert ist die Nutzung der Objektart ‘Strom, Fluß, Bach’ in linien- und flächenhafter Form sowie der Objektart ‘Binnensee, Stausee, Teich’. Die Darstellung der Objektart ‘Quelle’ kann eine Übersicht über die vorhandenen Quellen geben, ist aber in keiner Weise vollständig oder ausreichend als Quellsuchraum für die Kartierung geschützter Biotope. Aus der Objektgruppe ‘Vegetationsflächen’ sollten die Objektarten ‘Grünland’, ‘Brachland’, ‘Gehölz’, ‘Heide’, ‘Moor, Moos’ und ‘Sumpf, nasser Boden’ genutzt werden. Die Anwendung der Objektart ‘Wald, Forst’ in der Ausprägung ‘Laubholz’ ist dahingehend abzuwägen, wie groß die Fläche der Objekte dieser Objektarten in dem jeweiligen Kartierverfahren ist.
Für die automatisierte Darstellung wird ebenso wie bei den Bodendaten der ArcView-Abfrage-Manager zur Hilfe genommen.
DGK 5 und Luftbildkarte
Die Deutschen Grundkarten im Maßstab 1: 5000 (DGK 5) werden für Nordrhein-Westfalen vom Landesvermessungsamt NRW (LVermA NRW) unter Mitwirkung der Katasterbehörden der Kreise und kreisfreien Städte sowie der Regierungspräsidenten herausgegeben (LVermA 1990 b). Auf einem Blatt der DGK 5 werden als Ausschnitt der Erdoberfläche 2 km x 2 km auf einem Kartenbildformat von 40 cm x 40 cm dargestellt. Die Erdoberfläche, ihre natürliche Gliederung, ihre Erscheinungsformen, sowie alle auf ihr liegenden Gegenstände werden vollständig, lagerichtig, grundrißgetreu und ohne maßstabsbedingte Generalisierung geometrisch exakt wiedergegeben. Bei den Luftbildkarten handelt es sich um entzerrte und vergrößerte Luftbilder. Sie sind ein geometrisch genaues Abbild der Erdoberfläche und zeigen alle aus der Luft sichtbaren Objekte. Format, Blattschnitt und Kartenrandgestaltung entsprechen der DGK 5. Durch diese Übereinstimmungen ist eine genaue Vergleichbarkeit der Strichzeichnung mit dem Luftbild möglich (ARBEITSKREIS TOPOGRAPHIE 1983, LVERMA NRW 1990 a, LVERMA 1990 b).Die Informationen, die aus den Deutschen Grundkarten im Maßstab 1: 5000 und den Luftbildkarten zu erschließen sind, werden als Ergänzung zu den schon erarbeiteten Informationen der digitalen Datengrundlagen angesehen. Beiden Grundlagendaten ist gemeinsam, daß sie nur in betrachtender, nicht automatisierter Weise für die Suchraumdarstellung ausgewertet werden können.
In der DGK 5 werden Teiche ohne Mindestgrößenanforderung in ihrer tatsächlichen Lage und mit nach links geneigter Abkürzung ‘T’ dargestellt. Diese Bereiche werden zusätzlich zu den ATKIS-Objektarten ‘Binnensee, Stausee, Teich’ gekennzeichnet.
Auf der DGK 5 sind Quellen mit dem Kürzel ‘Qu.’ und kleinflächig nasse Bereiche als ‘nasser Boden’ mit versetzten Querstrichen gekennzeichnet. Diese Stellen werden ergänzend als Suchräume für Quellbiotope markiert.
Die DGK 5 zeigt Signaturen für Felsen sowie für Sand, Kies und Geröll. Treten diese Signaturen in den Deutschen Grundkarten 1: 5000 der Kartiergebiete auf, so werden sie gekennzeichnet und als Suchräume für die geschützten Biotoptypen genutzt.
Mit den Luftbildkarten kann man sich einen Überblick über den, im Vergleich zu einem Teil der DGK 5, relativ aktuellen Zustand der Kartiergebiete verschaffen .
Ersichtlich sind der Gehölzbestand an Fließ- und Stillgewässern, der Schlüsse auf die zu erwartende Naturnähe der Gewässer zuläßt. Im Grünland weisen gefleckte und heterogen erscheinende Stellen auf weniger intensiv genutzte, magere oder trockene Bereiche hin. Durch die Höhenlinien kann die Geländeform erschlossen werden. Gebiete mit engem Isohypsenverlauf deuten auf steile Hänge oder Kerbtäler hin, die Standorte des geschützten Biotoptyps ‘Schluchtwälder, Block- und Hangschuttwälder’ sind.
In Tab. 6 wird die Datenauswahl zusammenfassend dargestellt.
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alle im Biotopkataster befindlichen Biotope und Biotopkürzel werden auf § 20 c/§ 62-Hinweise geprüft |
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ausgewählt wird entsprechend den für jeden Biotoptyp erarbeiteten Bodentypen |
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Quellen, Fließgewässer, Seen, Auswahl der Landnutzung |
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Felsen, Quellen |
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magere/trockene Standorte, Ufergehölz an Fließgewässern, Isohypsenverlauf |
Tab. 6: Übersicht über die Datengrundlagen und die suchraumrelevante AuswahlSuchraumdarstellung im FB-Verfahren Elsofftal
Am Beispiel eines Kartiergebietes (FB-Verfahren Elsofftal im östlichen Rothaargebirge) wird für alle digitalen Datengrundlagen eine automatisierte Suchraumauswahl und -darstellung durchgeführt. Abb.1 zeigt die Abfrage für die Biotopkatasterflächen in ArcView. Die Ergebnisse der Auswertung der digitalen Daten können für die Kartierung im Gelände in GISPAD verfügbar gemacht werden. In Abb. 2 ist eine Möglichkeit der Ergebnisdarstellung in GISPAD zu sehen.
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Für die Suchraumerarbeitung der Kartierung nach § 62 LG NRW werden, neben den Kartiertungsdaten geschützter Biotope in zwei Untersuchungsgebieten, verschiedene ausgewählte Datengrundlagen genutzt. Jede dieser Datengrundlagen enthält für einen Teil der geschützten Biotoptypen Informationen, die zur Suchraumerarbeitung und dadurch zum Auffinden dieser Biotoptypen beitragen.Mit der ausschließlichen Nutzung der Biotopkatasterdaten zur Darstellung der Suchräume für geschützt Biotope werden in den Untersuchungsgebieten auf einer Fläche von ca. 3 % der Gesamtfläche mehr als 25 % der geschützten Biotoptypen aufgefunden. Mit diesem Ergebnis erfüllt das Biotopkataster die Ansprüche, die an eine Datenbasis zur Suchraumerarbeitung gestellt werden: Auf einer möglichst kleinen Fläche tritt eine möglichst große Anzahl der gesuchten Biotoptypen auf.
Werden zusätzlich zu den Suchräumen der Biotopkatasterdaten auch die Verdachtsflächen der Bodendaten ausgewertet, so liegen auf diesen Flächen in den beiden Untersuchungsräumen 50 % der geschützten Biotope. Der Vergleich der Suchräume beider Datengrundlagen zeigt, daß sich viele der Flächen überlappen. Diese Flächenüberschneidungen können gewissermaßen als ‘doppelte Suchräume’ betrachtet werden, in denen durch zwei Basisdaten eine erhöhte Wahrscheinlichkeit des Auftretens geschützter Biotoptypen besteht. Diese Resultate unterstreichen die Bedeutung der Biotopkatasterdaten und der Bodenkarte für die Suchraumselektion.
Die genutzten ATKIS-Daten zeichnen sich durch eine hohe Übereinstimmungen mit den Kartierungsdaten aus. Künftige Realisierungsstufen können in die Auswertung einbezogen werden. Zum Teil erweisen sich allerdings die zugrundeliegenden Erfassungskriterien (Mindestflächengrößen und Mindesthöhen) als zu grobmaschig, um für eine vollständige Suchraumdarstellung zu genügen.
Durch die gemeinsame Nutzung des Biotopkatasters, der Bodenkarten und der ATKIS-Daten für die Suchraumerarbeitung wurden in den Untersuchungsräumen 75 % der geschützten Biotope gefunden. Bei den verbleibenden 25 % handelt es sich fast vollständig um Quell- und Felsbiotope. Ein geringer Teil sind Fließgewässer, die weder aus der Bodenkarte noch den ATKIS-Daten ersichtlich waren. Werden diese Biotope ergänzend analog in der DGK 5 markiert, ist das Auffinden von mindestens 90 % der geschützten Biotope auf einer Fläche von ca. 20 % des Kartiergebietes möglich.
Durch die Automatisierungsansätze der Datenauswahl ist eine, soweit dies die digitalen Datengrundlagen zulassen, vollständige Darstellung der Suchräume möglich, da keine potentiellen Verdachtsflächen übersehen werden können.
Mit der Auswertung der Basisdaten im Hinblick auf die bereits ermittelten § 62-Daten in den Untersuchungsgebieten wird eine Operations- und Argumentationsebene geschaffen, auf die sich auch die Entscheidung für den Einsatz der Basisdaten bei weiteren Kartierungen geschützter Biotope bezieht.
Mit geeigneten Verarbeitungssystemen kann die Selektion der Suchräume für geschützte Biotope nach den erarbeiteten Kriterien auf der Grundlage der digitalen Basisdaten für ganz Nordrhein-Westfalen durchgeführt werden.